Biberalarm am Sonnenhang

Bäume gefällt, Dämme errichtet, Teiche gebaut

Der Biber hat unser kleines Tal übernommen und gründlich aufgeräumt: Jede Menge Bäume und Sträucher gefällt, einen großen und viele kleine Dämme und Stauseen und einige Biberrutschen erschaffen. Uns bleibt nichts übrig, als die Ergebnisse seines Treibens zu beobachten und Bäume zu sichern, deren unkontrolliertes Fallen gefährlich werden könnte oder die uns wichtig sind.

Das Schlündchen, einst ein kleines Bachgerinsel, das nur nach heftigen Regenfällen strömte, ist nicht wiederzuerkennen: Ein großer Teich und viele kleine Tümpel sind an seine Stelle getreten. Dafür ist unser einstmals dichtbewachsener Hang jetzt großenteils kahl und leer. Die 40 Meter hohe Pappel und einige Eichen und andere große Bäume konnten wir sichern. Mein kleiner, vor zwei Jahren zum Andenken an meinen Mann gepflanzter Ahorn ist allerdings dem gefräßigen Biber zum Opfer gefallen, bevor wir ihn schützen konnten.

Wie alles anfing

iIm September 2025 fing es an: Ich entdeckte bei einem zufälligen Kontrollgang, dass im Tal viel Wasser gestaut ist. Da ich wusste, dass der Biber bachaufwärts in den vergangenen Jahren schon viel Schaden angerichtet hatte, wunderte es mich nicht weiter. „Vermutlich hat er weiter oben schon alles abgegrast“, dachte ich mir, war aber zunächst gar nicht alarmiert.

Selbst als ich entdeckte, dass mein kleiner Ahorn plötzlich weg war, und geschockt den, wie ich dachte, abgeschnittenen Stamm untersuchte, schöpfte ich noch keinen Verdacht. Um herauszufinden, was passiert sein könnte, kontaktierte ich den Gärtner, der sich genau erinnerte, dass dieses Bäumchen – das wir zusammen zwei Jahre zuvor gepflanzt hatten – beim letzten Mähen noch intakt gewesen war. Die letzten Hausgäste versicherten jedoch, dass der Baum bereits in diesem Zustand war, als sie eine Woche zuvor Urlaub im Ferienhaus gemacht hatten – und konnten es mit einem zufälligen Foto belegen.

Aufklärung brachte erst mein Freund Mark, der im August im Ferienhaus und im Garten einige Reparaturen erledigt hatte. „Das war ein Biber“, sagte Mark. „Als Jäger erkenne ich sofort die Bissspuren.“ Ich war perplex: Der Biber sollte sich so weit vorgewagt und dieses Bäumchen gefällt haben, das kaum 10 Meter von der Straße entfernt steht?

Allerdings hatte er, wie ich jetzt bemerkte, einige viel dickere Stämme auf dem Hang am Ende des Gartens durchgeknabbert. Der Ahorn mit einem Durchmesser von 3 bis 4 cm war vermutlich nur ein Dessert für ihn gewesen und keine große Herausforderung für seine scharfen Zähne.

„Sofort mit einer Metallhose sichern!“ empfahl der Gärtner, hatte aber leider keine zur Hand. Im Gartenschuppen fand ich einen Rest alten Kaninchendraht und einige Zeltheringe, mit denen ich den Rest des Bäumchens notdürftig umzäunte. Beim nächsten Einkauf bei OBI wurden ein stärkerer Zaun und vier Erdnägel erstanden, mit denen ich einen zweiten Zaun um das Bäumchen zog.

Wie es weiter ging

Im Oktober und im Laufe des Winters bestaunten wir bei jedem Besuch die Fortschritte des Bibers: Er hat am Ende unseres Grundstücks am Hang und bei den Nachbarn links und rechts einen halben Wald abgesägt.

Mit großer Sorge beobachteten wir unsere 40 Meter hohe Pappel, denn Pappeln mögen Biber angeblich besonders gern. Nur: Wenn die Pappel fällt, kracht sie auf die kleine Brücke über den Wanderweg, unter der das kleine Schlündchen durchfließt zum Tosbecken unter der Staumauer des Rursees, oder auf den Wanderweg auf der anderen Seite, oder aufs Gartenhaus … je nachdem, in welche Richtung sie fällt. Ich beruhigte mich mit dem Gedanken, dass der Biber vielleicht so einen alten Baum nicht lecker findet.

40 Meter hohe Pappel
Die alte Pappel ist sehr hoch und zeigt uns sogar vom Staudamm Schwammenauel aus, wo unser Garten liegt

Biber knabbern übrigens hauptsächlich die Rinde ab und fressen die kleinen, zarten Zweige und Knospen. Sie müssen aber den Baum fällen, um sie zu erreichen, denn Biber können nicht klettern.

Wir müssen die Pappel retten!

Anfang März entdeckten wir mit Schrecken, dass der Biber tatsächlich angefangen hatte, die Pappel anzuknabbern. Zuerst hatte ich es gar nicht bemerkt, weil die Knabberspuren an der Rückseite der Pappel, also an der zum Bach gerichteten Seite, und durch dichtes Gestrüpp und Efeu verdeckt waren. Plötzlich sahen wir es dann doch und fanden eine etwa 50 mal 50 cm große Wunde, die den Baumstamm freilegte.

Ich geriet in Panik und wandte mich an die Stadt Heimbach, die mich an die Biologische Station Düren und den dortigen Biberexperten Dr. Dalbeck verwies. Letzterer war in Urlaub, aber seine Kollegin konnte mir mit einigen Tipps provisorisch helfen. Ich hatte – eigentlich zum Schutz der restlichen, noch nicht durchgeknabberten großen Haselnussstämme, die aufs Gartenhaus zu fallen drohten – einen 100 cm hohen, stabilen Drahtzaun besorgt, aber ich wusste nicht genau, wie ich den am besten am Stamm befestigen sollte und ob die Pappel bei der großen Wunde überhaupt zu retten sei.

Tatsächlich rief Dr. Dalbeck direkt an seinem ersten Arbeitstag an und kam vorbei, um sich die Katastrophe anzusehen. Er gab mir Tipps, wie ich die Pappel schützen und welche anderen Bäume ich einzäunen oder zumindest im Auge behalten sollte. Auch versprach er, mir am nächsten Tag Material zu bringen oder jemanden darum zu bitten. Ich befreite die Pappel rundherum von Gestrüpp und Dornen und umwickelte sie mit meinem Drahtzaun. In der Dämmerung gelang es mir aber nicht, die Kabelbinder anzubringen, um den Zaun zu befestigen. So verschob ich die Feinarbeit auf den nächsten Tag.

Am nächsten Tag – einem Freitagnachmittag! – tauchte die Waldpädagogin Maria Hinz aus der Biologischen Station auf, die den FÖJler Yanic sowie Esstrichmatten und Krampen und Werkzeug mitgebracht hatte. Zu Dritt zäunten wir die große Pappel neu und gründlich ein und noch einige Eichen und andere Bäume. Die restlichen Matten ließen sie mir für spätere Maßnahmen da. Ich weiss also jetzt, wie es geht, und kann selbst die Bäume und Sträucher schützen.

Biber und Menschen

Wussten Sie eigentlich, dass die Biber in unserer Gegend schon ausgestorben waren und erst in den letzten Jahrzehnten wieder langsam in Deutschland angesiedelt wurden? Vor vierzig Jahren gab es in der Eifel keinen einzigen Biber mehr.

Da Biber andere Vorstellungen von der Landschaftsplanung haben als wir Menschen, gibt es natürlich Konflikte. Wir müssen also lernen, wie wir mit dem Biber friedlich zusammen leben können. Ziel der Arbeitsgruppe „Biber“ der Biologischen Station Düren ist es, das Zusammenleben von Menschen und Bibern harmonisch zu gestalten. An diese Adresse kann sich jeder wenden, der Fragen zum Biber hat oder Probleme. Wie gut das funktioniert und wie schnell die Hilfe kommt, habe ich oben geschildert.

Für uns bedeutet das, dass wir das Bibertal schützen müssen. Unsere Feriengäste werden gebeten, das Bibertreiben bzw. die Ergebnisse von der Kante der Böschung aus mit dem Fernglas zu betrachten und vor allem ihre Kinder nicht alleine den Hang hinuntersteigen zu lassen. Die angelegten Teiche sind zum Teil groß und vor allem bis zu zwei Meter tief, können also durchaus gefährlich sein.

Biber sind geniale Baumeister

Die Biber bauen mit ihren Dämmen ein neues Feuchtbiotop, in dem sich viele verschiedene Libellen, Echsen, Frösche und andere Tiere wohlfühlen, die in unserer Gegend selten geworden sind. Biber sorgen dafür, dass unsere Flüsse und Bäche wieder lebendig werden.

Biber sind geniale Baumeister im Hoch-, Tief- und Wasserbau. Biberteiche ändern die Landschaft und schaffen Lebensraum für Tiere, Insekten und Pflanzen. Helfen wir ihnen dabei!

Wenn Sie für die Biberarbeit der Biologischen Station Düren spenden möchten, geht das hier: Spende für die Biologische Station Düren mit der Nachricht „für die Biber“.

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